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Ruhla und seine industrielle Entwicklung

Ein kurzer Überblick über die Stadt Ruhla, ihre industrielle Entwicklung und die der Wartburg-Region.

Ruhla im Überblick

Die Stadt Ruhla liegt im Westen des Freistaates Thüringen am Nordrand des Thüringer Waldes. Zusammen mit den Ortsteilen Thal und Kittelsthal bewohnen knapp 6.000 Menschen den staatlich anerkannten Erholungsort im Wartburgkreis. Ruhla liegt eingebettet im schmalen Tal des Erbstroms, das sich nach Norden hin öffnet und den Zugang zur Gemeinde Wutha-Farnroda und der Stadt Eisenach bildet. Unmittelbar am südlichen Rand der Gemarkung Ruhla verläuft der bekannte Rennsteig als Kammweg des Thüringer Waldes. Aufgrund ihrer malerischen Lage und dem vielfältigen touristischen Angebot ist die Bergstadt bei Wanderern und Erholungssuchenden sehr beliebt. Die konsequente Ausrichtung der städtischen Entwicklung auf den Tourismus seit Mitte der neunziger Jahre, lädt jährlich viele Besucher ein, die schöne Aussicht von den Bergen auf die Umgebung zu genießen. In Anlehnung an die industrielle Tradition Ruhlas findet auch die behutsame Entwicklung kleiner und mittelständischer Unternehmen statt.
 

Der industrielle Aufstieg der Stadt Ruhla

Vom Mittelalter bis Mitte des 18. Jahrhunderts ist in Ruhla und den Nachbarorten das Eisenhandwerk industriell maßgebend. Hieraus sticht vor allem die Spezialisierung der Klingen- bzw. Messerschmiede hervor, die bis zum Ende dieses Fertigungszweiges den Bürgern erträgliche Einnahmen bescherte.
Durch die Erfindung des unechten Meerschaums (Rühler Meerschaum) für die Herstellung von Pfeifen fand bis Ende des 19. Jahrhunderts ein deutlicher wirtschaftlicher Aufschwung und eine ausgeprägte Industrialisierung statt. Das Tabakpfeifengewerbe bildete auch die Grundlage für die nächste größere Epoche: die Herstellung von Metallbeschlägen und anderen ähnlichen Erzeugnissen vor allem im Kleingewerbebetrieb.
Über einen technologischen Vorläufer gelang es der Firma Gebrüder Thiel GmbH Ende des 19. Jahrhunderts eine eigene Taschenuhr zu entwickeln und zur Serienreife zu bringen. Die technologisch ausgereifte Produktion ermöglichte einen günstigen Marktpreis, was auch in Übersee dazu führte, dass vor allem Ruhla Uhren aus Mitteldeutschland gekauft wurden.
Diese kontinuierliche Entwicklung wurde weder durch den ersten noch durch den zweiten Weltkrieg maßgeblich unterbrochen. Die Fertigung wurde entsprechend den Anordnungen auf Zeitzünder umgestellt und so die Uhrenindustrie erhalten.

Fortschritt zu DDR-Zeiten und heute

Nach der Wiederaufnahme der zivilen Produktion von Zeitmesserzeugnissen und Werkzeugmaschinen 1946 unter Leitung der SAG Präzisionsmaschinen der UdSSR und der Übergabe des Betriebs in Volkseigentum 1952 als „VEB Uhren- und Maschinenfabrik Ruhla“ setzte eine rasante Technisierung der Produktionseinrichtungen ein. So wurde Mitte der siebziger Jahre die erste eigene Quarzarmbanduhr entwickelt – „Ruhla Quarz“, als Aufschrift auf einer Vielzahl von Produkten, war geboren. Damit erfolgte auch die Neuzuordnung zum „VEB Kombinat Mikroelektronik“.


Hinzu kam ein für die Zukunft wesentlicher Markt: schon Mitte der zwanziger Jahre erfolgte die Präsentation der ersten Universalfräsmaschine, die von der bereits 1910 ausgegliederten Werkzeugmaschinenschlosserei der Fa. Thiel hergestellt wurde. Damit legte man früh den Grundstein für die Entwicklung von weitgehend automatisierten Produktionsanlagen und schließlich für den Neubau der bisherigen Maschinenfabrik im benachbarten Seebach Anfang der siebziger Jahre. Ca. 2.000 Menschen wurden hierfür neu angesiedelt.

Als zweiter, wesentlicher und prägender Großbetrieb dieser Zeit, ist der „VEB Kombinat Fahrzeugelektrik Ruhla“ zu nennen. Hier wurden ab 1947 Lichtmaschinen, Anlasser, Scheinwerfer und Signaleinrichtungen produziert, die in ganz Europa zum Einsatz kamen: neben dem Wartburg aus Eisenach und dem Trabant aus Zwickau auch bei Volkswagen, Citroën und Renault. Parallel zu diesen Entwicklungen entstanden viele kleinere und mittlere Zulieferbetriebe, die zum Teile heute noch existieren.
Aus der ehemaligen Uhrenwerken ist die heutige Gardé Uhren und Feinmechanik Ruhla GmbH“ hervorgegangen und hält die Tradition der Ruhlaer Uhrenindustrie am Leben. Die Werkzeugmaschinenfertigung, in Form dynamischer, mehrachsiger Universalfräsmaschinen in Gantry- oder Fahrständerbauweise mit Spindel- oder Linearantrieb erfolgt bei der Firma „Deckel Maho Seebach GmbH“, ein Unternehmen der DMG Mori AG in Bielefeld. Auch die Fertigung von elektronischen Komponenten für die Automobilindustrie wurde fortgesetzt, wenn auch nicht direkt in der Stadt Ruhla, sondern in der benachbarten Stadt Eisenach. Hier setzen die Unternehmen „Truck-Lite Europe GmbH“ und „Robert Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach GmbH“ die Tradition der Ruhlaer Industrie erfolgreich fort.